Dauerhaft im Gartenhaus wohnen?

Junge Leute kennen das Problem – man lebt sozusagen auf der Überholspur. Zwischen 25 und 30 wird häufig erwartet, dass neben der Familiengründung auch bitte die Karriereleiter erklommen wird. Wer alles „richtig“ machen will, der baut ganz nebenbei ein Haus. Aber Statistiken belegen, dass es hier eine Trendwende gibt. Junge Familien wohnen immer häufiger zur Miete in einer Wohnung, statt sich ein Haus zu bauen. Zum einen sind natürlich die Kosten zu nennen, denn ein Haus ist oftmals nicht billig. Zum andren bieten Mietwohnungen jedoch auch den Vorteil, beruflich mobil zu bleiben. Wer weiß als junger Mensch schon, wo er in drei Jahren arbeiten wird? Eine Wohnung lässt sich viel schneller kündigen, als ein Haus aufzugeben. Der Nachteil einer Mietwohnung liegt jedoch auf der Hand – häufig fehlt es an einem Garten, in dem sich nicht nur die Kinder austoben können.

Schrebergarten als kreativer Naturersatz

Die Lösung finden viele junge Familien im eigenen Schrebergarten. Was früher noch den Anschein von Rentnerkultur hatte, ist heute längst trendige Mode geworden. Vor allem in Großstädten wie Berlin, Hamburg oder München setzen viele junge Familien auf die eigene Parzelle. Eine Statistik des Bundesverbands Deutscher Gartenfreunde (BDG) zeigt, dass rund 45 Prozent aller Neuverpachtungen in den vergangenen fünf Jahren an Familien mit Kindern gingen. Einen eigenen Schrebergarten zu besitzen, ist längst nicht mehr als spießig verschrien. Die Klischees von Gartenzwergen und lästiger Dauerbeobachtung durch den Nachbarn sind schon lange ausgeräumt. Statt dessen ist es in Berlin hip, Partys im eigenen Garten zu feiern. 70600 Kleingärten gibt es in Berlin, und die Nachfrage ist groß. So groß, dass inzwischen lange Wartelisten geführt werden – wer eine Parzelle mieten möchte, muss teilweise bis zu mehreren Jahren warten, bis etwas frei wird. Diese Zeit warten viele der jungen Leute dennoch geduldig ab, denn die Pachtkosten für einen Kleingarten sind nun einmal unschlagbar günstig. Die höchstmögliche Pacht für einen Schrebergarten beträgt in Berlin maximal 160 Euro im Jahr. Dieser Preis kommt zustande, da die Pacht laut den Vorgaben im Bundeskleingartengesetz maximal 40 Cent pro Quadratmeter und Jahr betragen darf. In Berlin sind die größten Parzellen 400 Quadratmeter groß. Dazu kommt ein einmaliger Abschlag von 1000-5000 Euro je nach Zustand der Parzelle. Hat es dann endlich einmal geklappt, ist die eigene Kreativität gefragt. Da wird im Garten gewerkelt und gestutzt, häufig nutzen die Familien den Schrebergarten auch, um selbst Gemüse anzubauen – Bio ist nun einmal voll im Trend, und was gibt es Gesünderes, als das selbst gezogene Gemüse? Mit Gemüsebeeten, gepflegter Rasenfläche und viel Platz für die Kinder macht man es sich also im eigenen Kleingarten gemütlich. Häufig wird dann auch ein hübsches Gartenhaus aufgestellt. Hier wird eingerichtet und dekoriert, dass es eine wahre Freude ist. Oftmals sind diese Gartenhäuschen nicht nur mit fließendem Wasser und Strom, sondern auch mit einer kleinen Küche und einer Schlafgelegenheit ausgestattet. Sanitäre Anlagen wie Toilette und Dusche sind häufig ebenso vorhanden wie ein Fernseher oder Radio. Was für ein Abenteuer, ein Wochenende darin zu verbringen!

Wohnen auf der eigenen Parzelle

Bei soviel Annehmlichkeiten und Komfort stellt sich doch die Frage, warum man denn nicht eigentlich länger als nur ein Wochenende bleibt? Warum nicht zwei oder vier Wochen dort bleiben? Den ganzen Sommer über? Oder sogar dauerhaft? Man könnte doch eine Menge Miete sparen, wo die Pacht der Kleingärten doch so günstig ist? Hierzu steht im Bundeskleingartengesetz folgendes: „Im Kleingarten ist eine Laube in einfacher Ausführung mit höchstens 24 Quadratmetern Grundfläche einschließlich überdachtem Freisitz zulässig; die §§ 29 bis 36 des Baugesetzbuchs bleiben unberührt. Sie darf nach ihrer Beschaffenheit, insbesondere nach ihrer Ausstattung und Einrichtung, nicht zum dauernden Wohnen geeignet sein.“ (Paragraph 3, Absatz 2). Dauerhaftes Wohnen im Schrebergarten ist also verboten. Man darf dort spielen, essen und grillen, auch duschen und ja, sogar dort schlafen ist erlaubt. Übernachtungen sind also kein Problem, einem Wochenende auf der Parzelle steht nichts entgegen. Sogar ein mehrwöchiger Urlaub ist in der Regel nicht gesetzeswidrig, solange es eben nicht in einen Einzug ausartet. Dies liegt am sogenannten Bauplanungsrecht der Gemeinde. Hier ist genau geregelt, welche Gebiete der Gemeinde als Wohngebiet, welche als Erholungsgebiet und welche als Gewerbegebiet zu nutzen sind. Ziel ist eine geordnete Entwicklung der Stadt bzw. der Region. Das geschieht natürlich nicht einfach so, man möchte damit zum Beispiel Grünflächen erhalten und natürliche Lebensgrundlagen schützen. Kleingärten zählen zum Erholungsgebiet, daher ist dauerhaftes Wohnen hier nicht gestattet.

Wohnen im Gartenhaus im eigenen Garten

Grundsätzlich stellt sich hier die Frage, warum man überhaupt dauerhaft in Gartenhaus wohnen wollen sollte, wo doch das Haupthaus in erreichbarer Ferne liegt. Aber so mancher spitzfindiger Mensch ist schon auf die Idee gekommen, sein Gartenhaus zur Untermiete bereit zu stellen. Auch hier muss man sich die Frage gefallen lassen, ob man das Wohnen im Gartenhaus überhaupt erlaubt ist. Wie schon gesagt, hängt das zum größten Teil an den Bebauungsplänen der zuständigen Gemeinde. Steht das Gartenhaus auf einem Gebiet, das laut Bebauungsplan sowohl zum Wohnen als auch für die Erholung vorgesehen ist, dürfte man gute Chancen haben. Dennoch sollte auf jeden Fall ein Antrag auf Umnutzung gestellt werden. Zum Wohnen in einem Gartenhaus sollte unbedingt ein Fundament gelegt werden. Der Ämtergang bleibt einem also so oder so nicht erspart, da man für das Fundament ohnehin eine Baugenehmigung braucht.

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