Das Gartenhaus und seine Historie

Gartenhäuser waren schon immer Rückzugsort

Gartenhäuser stellten seit jeher besondere Rückzugsorte dar, entweder zur Erholung und Entspannung oder zum Treffen mit Freunden. Wenn der Sommer ins Land zieht und die langen Tage zum Verweilen im Freien einladen, wird die Bedeutung von Gartenhäusern deutlich. In Deutschland belegen unzählige Schrebergärten die Liebe zum Gartenhaus. Sie zeigen sich entlang von Bahnstrecken mit einer Vielfalt an unterschiedlichen kleinen Gebäuden und Lauben. Am Rand von großen Städten bieten sie ruhige Plätzchen abseits vom Großstadttrubel. Schon in der Geschichte spielten Lauben, Gartenhäuser und kleine Lustschlösschen eine große Rolle. Durch die Zeiten hindurch haben sich verschiedene Gartenhausarchitekturen und Designs entwickelt.

Goethes Gartenhaus

Es war ein kleines Winzerhaus am Ilmhang in Weimar, das Goethes Interesse weckte. Der Zustand von Haus und Garten waren desolat, dennoch begeisterte sich Goethe für das Grundstück. Er erwarb es um 600 Taler, bezahlbar in zwei Raten. Goethe widmete sich mit Leidenschaft dem Garten, der bald in neuem Glanz erstrahlte. Auch das Haus ließ er renovieren. Doch nicht nur Blumen erblühten, sondern Goethe zog hier auch Gemüse. Bewohnte er zunächst noch das kleine Winzerhaus, zog er dennoch bald aus Platzgründen in die Stadt. Das Gartenhaus samt Garten blieb jedoch seine persönliche Oase, die er liebevoll betreute und pflegte. Inspiriert von der Umgebung und dem Ambiente des ehemaligen Winzerhäuschens schuf er an diesem Ort Gedichte und Balladen. Auch große Teile der Dramen Torquato Tasso und Egmont sind hier entstanden. Das Gartenhaus ist heute als Museum eingerichtet und spiegelt die Bedeutung eines persönlichen Rückzugsortes für einen Menschen wider.

Auch Schiller liebte sein Gartenhaus

Auch für Schiller war der Garten mit dem Gartenhaus am Rande von Jena ein Ort der Ruhe und Erholung. Er widmete sich weniger leidenschaftlich als Goethe der Pflege seines Gartens, genoss jedoch den Ort als persönliches Refugium. Er verfasste in der Beschaulichkeit des Ortes nicht nur Teile des Dramas Wallenstein, sondern auch von Maria Stuart. Selbst als Schiller mit seiner Familie bereits nach Weimar gezogen war, kehrte er immer wieder in sein Gartenhaus nach Jena zurück. Nach Schillers Tod kaufte Herzog Carl August das kleine Anwesen und ließ eine Sternwarte neben dem Gartenhaus errichten, das fortan Wohnstätte des Sternwartedirektors war. Auch Schillers Gartenhaus ist heute ein Museum, das für Besichtigungen offensteht.

Das Nebbiensche Gartenhaus

Der Pavillon, der einst vom Architekten Salins de Montfort für den Verleger Marcus Johannes Nebbien auf dessen Grundstück in Frankfurt errichtet wurde, ist in klassizistischem Stil gehalten. Nach seinem Tod wurde das Grundstück an den Bankier Philipp Bernhard Andreae verkauft. Heute ist es samt Pavillon Teil der öffentlichen, städtischen Promenade der Wallanlage Frankfurts und dient zur Durchführung von kulturellen Veranstaltungen. Der Nebbiensche Pavillon gilt, von den Wirren des Zweiten Weltkriegs vollkommen verschont, als besonderes Kleinod der Stadt Frankfurt.

Einstein und das Holzhaus in Caputh

Albert Einstein bezeichnete das Grundstück in Caputh und das Holzhaus, das er darauf bauen ließ, als eine große Pleite, verbrauchte er doch für den Kauf und Bau seine gesamten Ersparnisse. Bereut hat er diesen Schritt jedoch nie. Ursprünglich entdeckte seine Frau Elsa das Grundstück, das direkt am Wald mit Blick auf die Havelseen lag. Das Haus selbst baute der junge Architekt Konrad Wachsmann entgegen der Proteste von Elsa Einstein aus Holz. Es stellte eine Kombination aus Tafel- und Plattenbauweise sowie Fachwerkskunst dar. Beim verwendeten Holz handelte sich um Oregonpinie und galizischer Tanne. Das Haus wurde vorgefertigt und probeweise vor dem endgültigen Aufbau in Caputh bei einer Holzbaufirma in Niesky aufgebaut.

Klassizistische Gartenhäuser in Arnsberg

In der Mitte des 19. Jahrhunderts entstand entlang der Königstraße in Arnsberg ein preußisches Viertel in klassizistischen Stil. Besonderes Augenmerk wurde dabei von den Bürgern auf die Gestaltung der Gärten gelegt, das Gartenhaus durfte selbstverständlich nicht fehlen. Die Gartenhäuser waren künstlerisch ausgeführt und der Stolz der jeweiligen Bürgerfamilie. Im Laufe der Geschichte wurden die Grundstücke geteilt und die Gartenhäuser bis auf zwei abgerissen. Die Stadt Arnsberg kaufte die beiden Grundtücke und erweckte die alten Bürgergärten nach Originalvorbild wieder zum Leben. Das Gartenhaus in der Königsstraße 24 ist besonders durch seinen schiefen Ziergiebel sowie durch die Pilasterrahmung bemerkenswert. In der Königsstraße 28 kann das zweite erhaltene Gartenhaus samt Garten besichtigt werden. Es ist ein Fachwerkgebäude mit Krüppelwalmdach. Die Grundstücke sind Teil eines Gesamtprojektes, das die Gartenkultur des 19. Jahrhunderts veranschaulichen soll.

Auch Münster erzählt Gartenhausgeschichte

Im 19. Jahrhundert gab es in Münster über 1000 Gärten. Das Gartenhaus war auch hier das Herz des Gartens. Es wurden jedoch nur drei Gartenhäuser aus der Barockzeit erhalten. Dazu zählt die prachtvolle Orangerie an der Neubrückenstraße. Sie war in dieser Zeit Schauplatz für festliche Bälle und gesellschaftliche Veranstaltungen. In der Josefstraße kann ein vom Baumeister Schlaun errichtetes Gartenhaus bewundert werden sowie ein Gartenhäuschen in der Goldstraße, das einst dem Bürgermeister als Rückzugsort diente. Die verschiedenartige Kultur rund um die Gartenhäuser wird in Münster deutlich. Der Unterschied vom barocken Prunkbau als Gartenhaus bis hin zum keinen beschaulichen Gartenhäuschen zeigen deren Bedeutung quer durch die Gesellschaftsschichten. So zog etwa das Bankiersehepaar Bertha und Jan Jordaan das kleine, geliebte Gartenhäuschen der mondänen Wohnung vor und der Architekt Hans Ostermann überlebte die Zeit der Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg in seinem Gartenpavillon.

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